Mittelalter 2001/4
Heft 2001/4    2. Artikel

Neue Ergebnisse und Hypothesen zum Bau- und Funktionstyp der Ritterordenskommende

von Armand Baeriswyl

Historischer Kern der Ortschaft Köniz (BE) ist ein mehrteiliger, streckenweise ummauerter Gebäudekomplex auf einem langgezogenen Moränenhügel. Er besteht heute aus der Pfarrkirche mit einem ehemaligen Friedhof, aus einem verwinkelten Gebäude – dem so genannten Schloss – und einem Landwirtschaftsbetrieb. Zur Vorbereitung einer Gesamtrenovation des Komplexes wurden 2000/01 archäologische und bauhistorische Untersuchungen vorgenommen.

Im 11./12. Jh. wurde eine frühmittelalterliche Kirche durch einen Neubau ersetzt. Diese Kirche diente auch einem Augustiner-Chorherren-Stift, das 1208 erstmals erwähnt wird. 1226 wurde das Stift dem um 1190 gegründeten Deutschen Orden geschenkt, der in Köniz um 1265 eine Kommende einrichtete.

Im so genannten Schloss, dem nördlich der Kirche vorgelagerten Gebäudekomplex sind nun Baureste zum Vorschein gekommen, die wohl einem ersten Gebäude des Deutschen Ordens entsprechen könnten. Es handelt sich um ein zweigeschossiges Gebäude mit einer Grundfläche von 16 × 9 m, das an der Ost- und Westseite je einen Eingang hatte. An der Nordostecke fanden sich die Fundamentreste eines Abortturmes.

Mit der Einrichtung der Kommende um 1265 wurde ein 25,5 × 11 m im Grundriss messendes Steingebäude an das bestehende Haus angefügt (1261/1262 dendrodatiert). Es war dreigeschossig und wies vermutlich einen Hocheingang im 1. Obergeschoss auf. Es handelt sich hierbei um ein so genanntes Saalgeschosshaus. Im nordseitig älteren Bau wurde im Erdgeschoss eine grosse Küche eingerichtet, die es erlaubte, auch eine grössere Versammlung von Ordensritter zu verköstigen.

In der selben Zeit wurde die ursprüngliche Ringmauer abgebrochen und durch eine weitläufigere ersetzt. Ebenfalls abgebrochen wurde der ursprüngliche Abortturm, der durch einen Neubau an der Ringmauer ersetzt wurde. Daraus entstand der für die Deutschen Ordensburgen in Ostpreussen so typische «Dansker».

Vermutlich im 14. Jh. entstand zwischen dem Saalgeschosshaus und der Ringmauer ein weiteres Gebäude, bei dem vorallem die Warmluftheizanlage bemerkenswert ist. Entdeckt wurde davon im Keller der Feuerraum (praefurnium).

Gemeinsam ist allen Ritterordens-Kommenden, dass sie in Form und Funktion zwischen dem Klosterbau und dem adligen Wohn- und Wehrbau stehen. Sie enthalten Elemente beider Bau- und Funktionstypen.

Baeriswyl, Armand : Neue Ergebnisse und Hypothesen zum Bau- und Funktionstyp der Ritterordenskommende
Mittelalter – Moyen AgeMedioevoTemp medieval, Zeitschrift des Schweizerischen Burgenvereins, 6. Jahrgang 2001, Heft 4, .

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