Die mittelalterliche Burg im Chório auf der Ägäis-Insel
Sými
Von Michael
Die Insel Sými gehört zum Landkreis Rhodos innerhalb des Verwaltungsbezirkes Dodekanes und liegt unmittelbar vor dem türkischen Festland. Von 1307 bis 1522 gehörte die Insel zum Johanniter-Ordensstaat, dessen Zentrum in Rhodos lag.
Über dem Ortsteil Chório der Stadt Sými erhebt sich ein felsiger Hügel, auf dem schon in hellenistischer Zeit (4./5. Jh. vor Chr.) ein Zentrum mit Burg (Akropolis) errichtet wurde. Im Verlauf des 15. Jh., als die Angriffe der Osmanen auf den Ordensstaat zunahmen, wurden auf Sými die antiken Wehrmauern in eine mittelalterliche Burg integriert. Die Ordensgrossmeister Jacques de Milly (1454 – 1461) und Pierre Raymond Zacosta (1461 – 1467) sind durch Wappensteine im Mauerwerk als Bauherren erkennbar. In der 2. Hälfte des 15. Jh. überstand die Burg mehrere osmanische Belagerungen. Nach der Kapitulation der Johanniter in Rhodos wurde die Burg jedoch 1523 kampflos den Osmanen überlassen, die sie nicht weiter benutzten. Im 19. Jh. wurden Teile der zerfallenden Festung abgebrochen und für den Aufbau der Stadt Sými verwendet.
Von der mittelalterlichen Befestigung haben sich grosse Teile der Ringmauer aus teils antiker Zeit und ein Rondell mit Zinnenkranz erhalten. Das Vorhandensein weiterer mittelalterlichen Bauten des Kastro lassen sich aufgrund der Zerstörungen im 2. Weltkrieg, als hier Truppen der Deutschen Wehrmacht stationiert waren, und der anschliessenden Wiederaufbauten nur vermuten. Am Platz des ehemaligen Wehrturmes auf dem Gipfel des Hügels steht z. B. seit 1997 eine kleine Kapelle.
Auf der Insel gibt es noch weitere Befestigungsanlagen aus dem Mittelalter, die aber bisher kaum erforscht und beschrieben sind, weil ein Teil der Insel heute noch militärisches Sperrgebiet ist.
, Michael: Die mittelalterliche Burg im Chório auf der Ägäis-Insel Sými, in: Mittelalter – Moyen Age – Medioevo – Temp medieval, Zeitschrift des Schweizerischen Burgenvereins, 7. Jahrgang 2002, Heft 4.

