Jahresversammlung 2005 in Zug
27./28. August 2005
Von Renata
Quellenangabe

Dieser Bericht ist gedruckt in der
Zeitschrift
«Mittelalter», Nr. 2005/3.
Die 78. Jahresversammlung des Schweizerischen Burgenvereins fand am Wochenende des 27./28. August 2005 in Zug und Umgebung statt. Die statutarische Mitgliederversammlung am Samstagnachmittag konnte im prächtigen Ratsaal des Rathauses durchgeführt werden, wo anschliessend Frau Landammann Brigitte Profos-Meier begrüssende Worte an uns richtete und zu einem Apéro einlud.
Das wissenschaftliche Programm wurde ganz durch Mitarbeitende der Kantonsarchäologie Zug gestaltet. Den Auftakt machte am Samstagvormittag, nach der Begrüssung durch den Kantonsarchäologen Dr. Stefan Hochuli, ein instruktiver Vortrag von Dr. Adriano Boschetti-Maradi, in dem er Stadtgeschichte und Siedlungsentwicklung von Zug von den Anfängen bis in die Frühe Neuzeit umriss. Diesem ersten Einblick folgte am Nachmittag eine interessante Führung, die durch Eva Roth Heege und wiederum durch Adriano Boschetti-Maradi bestritten wurde. Sie führten uns durch die Altstadt, zur Burg, zur Kirche St. Oswald und entlang der äusseren Stadtbefestigung zur Anhöhe Löberen, wo wir einen schönen Blick über die Altstadt und den Zugersee geniessen konnten. Zugleich war von dort aus die Lage der Stadt hervorragend zu erkennen.
Burg Zug.
Die Exkursion am Sonntag führte nach St. Andreas bei Cham und zum Alten Schloss Buonas, zwei Anlagen, denen manches gemeinsam ist. Beide Anlagen gehen in ihrem Kern auf eine mittelalterliche Burg zurück und waren bis vor wenigen Jahren bewohnt. Zudem sind beide idyllisch auf einer Halbinsel, in einem grossen Park gelegen und befinden sich nicht in öffentlichem Besitz. Während im Fall von Buonas, heute in Besitz der Roche, durch den Bau eines neuen Ausbildungszentrums der Roche in der Nähe des Schlosses eine «Verschnaufpause» für die Suche nach einer zukünftigen Nutzung des Alten Schlosses gefunden werden konnte, steht in St. Andreas die Bewilligung eines Gestaltungsplanes durch die Gemeinde an. Er beinhaltet u.a. einen Neubau im Graben des ehem. Städtchens und eine Tiefgarage vor dem Schloss, beides massive Eingriffe in die historische Substanz. Laut Besitzer sind sie aber für die längerfristige Finanzierung des Unterhalts von Schloss und Park notwendig. Zudem ist eine Renovation des Schlosses vorgesehen.

Schloss St. Andreas bei Cham.
Auf der Landzunge St. Andreas liegt hinter einem Abschnittgraben das Areal des ehemaligen Städtchens und am Ende des Sporn, nochmals durch einen Graben abgetrennt, das Schloss. Nach einer Einführung durch Adriano Boschetti-Maradi führte uns der Besitzer durch den Innenhof des Schlosses und Teile des Erdgeschosses sowie durch den wunderbaren englischen Park. Von besonderem Interesse sind die Umbauten aus der Zeit des Historismus, die unter den damaligen Besitzern Page, Eigentümer der «Anglo-Swiss Condensed Milk Company», 1903–06 durch den Architekten Dagobert Keiser in hoher Qualität ausgeführt wurden. Passend zu diesem Besuch in St. Andreas nahmen wir das Mittagessen in der nahe gelegenen «Milchsüdi» in Cham ein, einem Fabrikationsgebäude der genannten Firma, die 1905 als grosse Schwester mit der Nestlé fusionierte. Details dieser interessanten Firmengeschichte erläuterte Eva Roth Heege.

Das Bootshaus zum Schloss St. Andreasbei Cham. Hochwasser führt zu einer
«Kneipp-Kur» auf dem Weg zum Bootssteg.
Eine Schifffahrt führt am Nachmittag von Cham nach Risch, vorbei an der Halbinsel Buonas. Zuvor allerdings war eine kurze «Kneippkur» angesagt. Wegen Hochwasser mussten wir durchs Wasser zur Schiffanlegestelle waten. Für jene, die keine nassen Füsse wollten, hielten Mitarbeiter der Kantonsarchäologie Zug Gummistiefel bereit.
In Risch folgte ein kurzer Besuch der in prächtiger Aussichtslage über dem Zugersee erbauten Pfarrkirche St. Verena, wo im benachbarten Beinhaus ein eindrückliches Bild eines Schiffsuntergangs bei der Halbinsel Buonas aus dem Jahr 1817 zu sehen war.
Zweiter Höhepunkt und Abschluss der ausgezeichnet organisierten Exkursion war der Besuch der Halbinsel Buonas. Dort empfing uns Frau Iten-Baumann, die Leiterin des 2002 eröffneten Roche-Forum. Vorbei am schlichten Bau des 2000/01 errichteten Ausbildungszentrum führte der Spaziergang durch den englischen Park zum Alten Schloss Buonas, das im Kern noch ins Hochmittelalter zurückgeht. Dank des Neubaus des Ausbildungszentrums in angemessenem Abstand zum Schloss konnte der Nutzungsdruck von dieser historischen Anlage genommen und gleichzeitig die Bedürfnisse der Roche erfüllt werden.
Mit diesen zwei Führungen in St. Andreas und Buonas wurden uns nicht nur Anlagen in herrlichen Parkanlagen gezeigt, sondern zugleich ein instruktive Einblicke in aktuelle Probleme der Denkmalpflege vermittelt.

Schloss Buonas.

